Vom iPhone zum Foto

In diesem Artikel möchte ich einmal kurz zeigen, mit welch recht einfachen Mitteln, man ein Foto von einem iPhone derart verändern kann, dass sich ein einigermassen ansprechendes Bild ergibt. Da es derzeit so eine Art Hype für Bildbearbeitungs-Apps auf dem iPhone zu geben scheint, finde ich es an der Zeit einmal die realen Anforderungen an ein solches Programm aufzuzeigen.

Das Bild wurde komplett in Adobe Lightroom 2.5 bearbeitet, lediglich das Wasserzeichen wurde nachträglich eingefügt. Obwohl Lightroom seine absoluten Stärken im Bereich der Entwicklung von RAW-Bildern ausspielen kann, eignet es sich sehr wohl auch zur Bearbeitung von JPEG-Bildern. Hier muss man allerdings beachten, dass deutlich weniger Bildmanipulationen möglich sind. Die Gefahr, dass bereits bei kleinen Änderungen Bildbereiche ihre Details komplett verlieren ist sehr groß, was nicht zuletzt an der deutlich geringeren Bit-Tiefe eines JPEGs im Vergleich zum RAW liegt.

Beginnen wir zunächt mit dem Original.

Schäfchen auf dem Deich

Schäfchen auf dem Deich

Dieses Bild entstand an der folgenden Position im Oktober 2009 unter nicht ganz optimalen Lichtverhältnissen.

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Aufgenommen wurde es mit einem iPhone 3GS mit der Standard-Foto-Applikation.

Betrachtet man nun das Bild, so fallen einige Dinge direkt störend auf:

  • Der Horizont kippt ziemlich stark. Am Antennenmast oben links erkennt man jedoch, dass rein von der Geometrie her alles in Ordnung ist. Die Aufnahme war daher nicht anders machbar, weil sonst die Antenne komplett schief stehen würde.
  • Die Wolken oben links sind deutlich überbelichtet und haben daher auch keine Zeichnung mehr.
  • Im Himmel befinden sich einige Punkte, die eigentlich Vögel sind und auf dem Bild nur noch wie Schmutzflecken wirken.
  • Die Farbe der Wiese ist eher schmutzig-grau und weniger grün. Das sollte so nicht sein, war aber angesichts der Lichtverhältnisse für die Kamera nicht anders möglich.
  • Das Gras der Wiese ist etwas vermatscht, was von der JPEG-Kompression der Kamera stammt.
  • Das Schaf ganz rechts besitzt am Körper kaum noch Zeichnung. Auch hier ist es etwas zu hell geraten.

Wie man sieht, gibt es doch eine ganze Reihe von Arbeiten zu erledigen. Mit dem richtigen Werkzeug aber kein Problem. Folgende Arbeiten wurden jetzt vorgenommen.

  1. Um überhaupt erst einmal eine leichte Optimierung zu erhalten wurde die automatische Farbtonkorrektur verwendet. Damit wurden auch direkt einige Belichtungsprobleme behoben.
  2. Um den Horizont ausrichten zu können, muss zuerst einmal der Antennenmast oben links verschwinden. Dazu wurde mit dem Korrekturpinsel der Mast in mehreren Abschnitten weggestempelt. Die Manipulation ist nicht sichtbar.
  3. Der Horiziont wurde begradigt. Dadurch verliert das Bild natürlich automatisch ein wenig seiner ursprünglichen Größe.
  4. Die Lebendigkeit des Bildes wurde erhöht. Da die Lebendigkeit sich primär auf das Gras ausgewirkt hat, erscheint es gleich deutlich frischer.
  5. Die Klarheit des Bildes wurde erhöht. Das führt nun dazu, dass zum einen die Wolle der Schafe besser deutlicher zu erkennen wird und auch zu einem viel deutlicher als strukturiert zu erkennendem Gras. Vor allen Dingen im Vordergrund.
  6. In die linke obere Ecke des Bildes wurde ein ca. 30° geneigter Verlaufsfilter gelegt. Dessen Aufgabe ist es, die Belichtung in diesem Bereich leicht zu reduzieren. Die Belichtung wurde so weit reduziert bis keine neuen Details mehr herauszuholen waren. Das Ergebnis ist deutlich mehr Zeichnung in den Wolken. Die verbleibenden weissen Flecken enthalten leider überhaupt keine Informationen und müssen daher weiss bleiben, was jedoch nicht sonderlich stört.
  7. Die störenden Flecken im Himmel wurden per Korreturpinsel entfernt.
Bearbeitete Version des Bildes

Bearbeitete Version des Bildes

Was jetzt noch stört ist das Stück betonierte Strasse im Vordergrund rechts. Um diese nun noch zu entfernen hilft nur noch das Mittel des Beschnitts. Ich habe mich für ein 16:9-Format entschieden, dass sich für Landschaftsaufnahmen recht gut eignet. Allerdings bleibt dann immer noch ein wenig von der Straße übrig. Diese muss dann noch entfernt und mit Gras „überwachsen“ werden.

Beschnittene Version des Bildes

Beschnittene Version des Bildes

Da leider die Zeichnung des Grases aufgrund der JPEG-Kompression in dieser Entfernung (von der Kamera) bereits recht dürftig ist, sieht das Bild allerdings längst nicht mehr so „knackig“ aus, wie die unbeschnittene Version. Hier muss man sich dann entscheiden. Alternativ ergeben sich natürlich auch noch andere Beschnittformate.

Dieses Beispiel soll ja auch nur ein Muster sein um einmal zu zeigen, dass auch bei einem Foto von der Kamera des Smartphones nachträgliche Bearbeitungen möglich sind mit der sich sogar einige Fehler korrigieren lassen.

Was man jedoch sehr gut feststellen kann: Die ganzen Apps, die eine Nachberarbeitung eines Bildes direkt auf dem Smartphone erlauben, reichen in ihrer Funktionalität bei weitem nicht an die Funktionen heran, die benötigt würden, wenn man die behaupteten Leistungen auch nutzen wollen würde.

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