Roarrrrr! Oder: Wie? Schon fertig?

Der Löwe ist los. Bei Apple schon seit ein paar Tagen, hier erst seit ein paar Minuten/Stunden. Meine Erfahrungen mit dem Upgrade.

Lion Teaser aus dem App Store

Ich habe ja vor einiger Zeit von Distributions-Upgrade von ubuntu geschrieben und insgesamt war das alles ein ziemliches Fiasko.

Generell gibt es kaum etwas, dass noch kritischer sein kann als ein Upgrade des Betriebssystems. Und ich rede nicht von einer Neuinstallation, sondern der Installation über eine bestehende Installation. Wenn das dann auch noch auf Produktivsystemen passiert wird es bisweilen wirklich sehr, sehr eklig.

Nun kam also der Löwe von Apple und innerhalb von 24 Stunden nach der Freigabe verzeichnete Apple bereits über eine Million Downloads. Verglichen mit den Downloads waren Meldungen über Probleme erstaunlich selten zu finden – abgesehen natürlich von Problemen, die schon von vornherein bekannt waren und daher einem halbwegs informierten Anwender bekannt gewesen sein sollten. Seit Monaten gibt es bei RoaringApps eine sehr gute Übersicht über die Kompatibilität einzelner Anwendungen mit Lion.

Auf meinen Systemen gab es zwei Programme, bei denen die Kompatibilität zumindest fragwürdig war. Zum einen die tolle Bildbearbeitung Pixelmator. Leider bestätige der Support Probleme mit Lion, die Entwickler wiesen diese aber als nicht reproduzierbar zurück. Trotzdem gab es am gleichen Tag eine Aktualisierung, die Bugs unter Lion behob (die es ja angeblich nicht gab). Dumm daran: wegen eines handwerklich groben Fehlers war das Installationspaket unvollständig und das Programm stürzte beim Start sofort mit einem fulminanten Fehler-Log ab. Der Hersteller warnte und ich wartete.
Das zweite Programm war VMware Fusion. Bei RoaringApps stand, dass es Probleme mit der Verwendung gab. Ich hatte eine Woche vor dem Release von Lion bei VMware nachgefragt, ob es Komplikationen gäbe – mit Verweis auf RoaringApps. Wie bei großen Konzernen mit ausreichender Distanz zum Kunden fiel die Antwort sehr knapp aus.

Mac OS X Lion is not yet officially released, hence it is not supported by Fusion 3.x. Once it is officially released, we would be having a version of Fusion which works along with it. After all, our product is a Mac application, so we are gearing up for the release of Lion.

Nach der Freigabe von Lion gab es aber einen Eintrag im VMware-Blog in dem klar gesagt wurde, dass es mit der aktuellen Version keine Probleme gebe. Dem widersprachen zwar einige Kommentatoren, aber in der Summe überwogen die positiven Stimmen. Also war das Risiko überschaubar. Unverständlich ist aber, wieso sie diese Information in einem Blog verstecken und nicht an die Kunden verschicken, bei denen die Software eingesetzt wird. Statt einer brauchbaren Information gab es nur eine Reihe Einladungen für die diversen Verkaufsveranstaltungen von VMware in der Gegend.

Heute morgen habe ich dann das Upgrade geshoppt. Eine Sache gibt es nicht auf dem Land: schnelles Internet. Also dauerte der Download auch ein paar Stunden. Gegen 17 Uhr war er dann fertig. Eine gute Idee ist es, den Installer an einen sicheren Ort zu kopieren bevor man die Installation startet. Sonst löscht er sich nämlich nach der Installation selbst. Außerdem musste der Installer noch auf mein Mac Book Pro, denn da wäre ein Ausfall nicht sonderlich problematisch gewesen.

Vor der Installation habe ich sicherheitshalber die MobileMe-Synchronisation angehalten und auch die Synchronisierung der Macs untereinander über Synk gestoppt. Das würde ich übrigens grundsätzlich vorschlagen, denn sonst ist die Gefahr für einen großen Schaden gegeben. Man stelle sich nur vor, dass sich etwas an den internen Verweisen von Verzeichnissen ändert und plötzlich Dateien gelöscht werden.

Jetzt kommt der eigentlich normalerweise gigantische Akt, der dieses Mal aber alles andere als gigantisch war. Setup gestartet, Lizenz abgenickt und schon werden die Dateien auf den Mac kopiert. Nach knappen 8 Minuten startet das Mac Book neu und die eigentliche Installation beginnt. Nach knappen 40 Minuten ist auch schon alles gelaufen. Der Mac startet neu und alles läuft.

Noch schnell die Info zum natürlichen Scrollen bestätigen und fertig. An dieser Stelle nicht erschrecken, wenn der Mac nur noch extrem langsam läuft und etwas schleppend reagiert: durch das Upgrade wird der Spotlight-Index gelöscht und muss neu aufgebaut werden. Das dauerte hier etwas über eine halbe Stunde. Wer aber wie ich die Time Machine laufen hat, darf sich noch auf eine Indizierung des Backups einstellen. Diese dauert oftmals mehrere Stunden, blockiert aber dafür den Rechner nicht ganz so stark.

Ich muss mich aber auch etwas beklagen. Welchen Grund gibt es, auf einem Snow-Leopard-System mit installiertem iTunes 10.4 durch ein Upgrade auf Lion das iTunes durch die Version 10.3.x zu ersetzen?

iTunes Downgrade durch Lion

Nachdem dieses System also problemlos aktualisiert werden konnte, war ich bereit das Schicksal ein weiteres Mal herauszufordern. Also gleiche Prozedur auf einem iMac. Und auch hier verlief alles exakt so wie vorher auch schon. Keine Fehler, das System startet, alle Benutzer sind noch vorhanden, alles läuft.

Kommen wir aber zum eigentlich spannenden Punkt: VMware fusion läuft auch. Tadellos sogar. Das war neben einem Totalausfall des Systems meine größte Sorge.

Leider gibt es aber auch kleinere kosmetische Problemchen. Die Batches an Symbolen im Dock sind etwas schwer lesbar, wenn das Dock an der Seite platziert wird.
Wenn aber ein Software-Entwickler aufgrund von Sonderfunktionen, die er benötigt das Batch-Symbol nachbaut, dann sieht es jetzt ein bisschen merkwürdig aus:

Gemischtes Dock unter Lion

Nach dem Update sichert Time Machine übrigens etwas über 10 GiB an veränderten Dateien:

TM-Sicherung nach Lion-Upgrade

Ich habe seit vielen, vielen Jahren geschäftlich mit IT-Systemen zu tun. Ich habe schon alle Arten von Systemen sterben sehen und Upgrades erlebt, die sich zu einem fulminanten Fiasko entwickelten. Noch nie habe ich aber eine dermaßen unkomplizierte Upgrade-Prozedur erlebt. Man darf ja nicht vergessen, dass auf dem Mac die Aktualisierung von einem System 10.6 auf ein System 10.7 unter Windows einer Aktualisierung von Windows Vista auf Windows 7 entspricht. Es handelt sich also um ein wirklich großes Update. Ich bin wirklich begeistert.

Kommen wir zu den positiven und nicht so positiven Dingen, die mir nach ein paar Minuten mit dem neuen System aufgefallen sind:

Pro

  • Das „natürliche Scrollen“ ist eine logische Konsequenz aus der Verwendung von TouchPads. Zuerst ist es ungewohnt, aber nach einer Viertelstunde fragt man sich, wie man jemals anders gearbeitet hat.
  • Für Nutzer des Dashboards wird es einfacher. Einfach zur Seite wischen und schon tauchen die Widgets auf. Ich verwende die Widgets sehr gerne und diese Geste hilft mir sehr – nur die Luftpolsterfolie finde ich etwas arg unpassend.
  • Es gibt deutsche Stimmen für Text-To-Speech. Der Download ist mit über einem GiB zwar etwas heftig, aber es lohnt sich, wenn man mit dieser Funktion „spielen“ will.
  • Das neue Mail mit seiner Sammel-Inbox ist erst etwas gewöhnungsbedürftig, aber auch daran gewöhnt man sich sehr, sehr schnell. Wer Angst vor Veränderung hat, der kann die alte Ansicht umschalten.
  • Die automatische Versionierung von Dokumenten ist absolut großartig. Leider hinken ein paar Entwickler noch hinterher, so dass hier außer den iWork-Anwendungen und OmniGraffle Pro keine andere Anwendung es derzeit zu unterstützen weiss.
  • Ich mag es auch sehr, dass der Status einer Anwendung beim Beenden gespeichert wird. Macht man sie wieder auf, ist alles wieder so wie vorher. Auch über einen Neustart hinaus.
  • Die neuen Wischgesten sind nett. Leider stirb damit die Option im Finder mit Gesten durch die Klick-Historie zu wechseln. Das kann man einstellen, aber dann werden die anderen Gesten etwas chaotisch und der „rote Faden“ geht ein wenig verloren. Ich versuche es erst einmal mit der Standard-Einstellung.

Contra

  • Es ist alles irgendwie etwas Grau. Die Icons im Finder sind es und an verschiedenen anderen Stellen ist es mir auch aufgefallen
  • Was soll das komische Leder-Design im Adressbuch und im iCal? Das muss doch nun wirklich nicht sein. Die Zeiten des Lotus-Organizer sind doch eigentlich vorbei.
  • Launchpad. Was genau soll ich damit?
  • iChat verhielt sich etwas merkwürdig. Er weigerte sich vehement online zu gehen. Erst als ich das facebook-Jabber deaktiviert habe gingen die anderen Konten online. Das ging vorher auch nicht, wenn man die Option zum gemeinsamen Status deaktivierte. Das Verhalten war ziemlich merkwürdig. Auf dem iMac funktionierte der Login denn auf Anhieb.
  • Gar nicht geht die Änderung der Schnellansicht von leicht transparentem Schwarz auf ein wenig kontrastierendes Grau. Das halte ich für einen Fehlgriff

Soviel zu diesem Thema. Jetzt gehe ich erst einmal ein bisschen mit den Kätzchen spielen.

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