Warum Linux auf dem Desktop keine Rolle spielt

Linux spielt derzeit auf dem Desktop keine Rolle. Warum das gut ist beweisen die unterschiedlichen Distributionen immer wieder gerne durch spektakulär kaputte Aktualisierungen. Aber der Reihe nach.Ganz aktuell (seit gestern ist sie erst verfügbar) ist die ubuntu-Version 11.04, die jetzt mehr aussieht wie die Netbook-Edition der Distribution aber deutlich schwergewichtiger daherkommt.

Die Ausgangssituation hier:

  • 1 PC mit ubuntu 10.10
  • 1 Virtuelle Maschine mit ubuntu 10.10
  • 1 Netbook mit ubuntu 10.10 (Netbook Edition)

Alle Installationen auf dem aktuellsten Stand, der zum Zeitpunkt des Distributions-Upgrades verfügbar war. Außer den Programmen der Distribution waren lediglich Opera und das SoftMaker Office installiert, mehr nicht. Auf keinem der Systeme. Man kann also behaupten, dass es sich um relativ nackte Linux-Installationen handelt.

Die Aktualisierung der VM

Mit der VM (VMware fusion 3.x) habe ich angefangen weil es die einfachste Variante war. Insgesamt brauchte der Download der Komponenten statt der vom Setup angegebenen 2 Stunden letztlich dann 9 Stunden – gut, da kann man sich vielleicht mal verrechnen. Nach einer weiteren Stunde war dann auch das Upgrade durchgelaufen.

Während des Upgrades gab es immer wieder mal die bekannten Abfragen ob vorhandene Konfigurationen durch neue ersetzt oder die alten behalten werden sollen. Da entscheidet man sich automatisch dafür, die Daten ersetzen zu lassen. Schließlich war ja nichts wichtiges installiert.

Nachdem alles installiert war und auch keinerlei Fehler gemeldet wurden teilte ubuntu mit, jetzt den Rechner neu starten zu müssen um die Aktualisierung abzuschließen. Ich tat wie gewünscht.

Das Ergebnis spricht für sich:

Ubuntu nach Distributionsupgrade auf von 11.04

Wenn eine solche Meldung erscheint bedeutet das nichts Gutes. Im konkreten Fall bedeutet es, dass die Aktualisierung die eigene Installation zerfressen hat. Wäre es das erste Mal gewesen, wäre es vielleicht noch mit einem Layer-8-Fehler zu erklären, aber bisher hat lediglich das Upgrade auf die 10.10 von der Vorversion ohne Fehler funktioniert. Alle anderen Upgrades bei ubuntu endeten bis jetzt immer in einem Totalverlust.

Vermutlich könnte man jetzt mit viel Aufwand irgendwie doch wieder die Installation reparieren. Das ist aber, muss ich sagen überhaupt nicht das, was mir vorschwebt.

Das Netbook

Auf dem Netbook (ein acer Aspire one) ist ubuntu in der Netbook-Edition installiert. Außer einem Wireshark (und SoftMaker Office) keine weitere Software installiert, außer den Dingen, die bei der Installation der Distribution auf den Rechner gespült werden.

Die Installation begrüßt einen direkt mit dem Hinweis, dass keine komplette, sondern nur eine Teilaktualisierung vorgenommen werden kann, das aber kein Problem sei.

Das Setup dauert auch nicht annähernd so lange, nach knappen drei Stunden sind Download und Installation fertig. Auch hier erscheint die Aufforderung, das System neu zu starten. Auch diesmal stimme ich dem zu.

Erstaunlicherweise startet ubuntu auf dem Netbook dann auch, lässt auch die Anmeldung zu, aber dann startet der Desktop nicht. Außer einem Hintergrundbild gibt es nichts zu sehen.

Damit hat das Setup der Linux-Bastelware die nächste Installation getötet. Das ist eine richtige Meisterleistung und muss man schon anerkennen. Zwei funktionierende Systeme ohne jedweden Fehler zu aktualisieren, dabei keine Fehlermeldung auszugeben und danach nur noch kaputte Installationen zu haben ist schon ein starkes Stück.

Auf dem Netbook kann man jetzt per STRG+ALT+ENTF noch Neustarten und Ausschalten, da wird hier also auch eine komplette Neuinstallation angesagt sein.

Der PC

So. Drei Würfe gibt es ja insgesamt. Der ubuntu-Murks hat noch eine letzte Chance ein System nicht kaputt zu machen. Der Download der Dateien dauert erstaunlicherweise nur zwei Stunden bei gleichem Volumen. Vermutlich hat irgendwer noch einen Server gefunden um dem Ansturm überhaupt gewachsen zu sein. Vermutlich lassen gerade noch einige Leute mehr ihre Systeme vom ubuntu-Setup hinrichten.

Die Aktualisierung läuft

Nach knappen vier Stunden war dann das Projekt beendet. Auch hier wieder der obligatorische Neustart.

Vollkommen überraschend und unerwartet startet ubuntu auf dieser Maschine zuerst ohne Fehler. Wobei es wäre nicht Linux, wenn nicht doch wieder irgendwas nicht funktionieren würde. Es ist die neue Oberfläche „Unity“, die schon aus der Netbook-Edition (die ich ja jetzt dank ubuntu-Murks-Updater nicht mehr habe) bekannt ist. Sie sei auf dem Rechner nicht ausführbar und man solle doch ubuntu Classic bei der Anmeldung wählen. Das, was man dann an Optik präsentiert bekommt, erinnert an sehr alte Linux-Zeiten:

Der ubuntu-Desktop nach dem Upgrade weil Unity nicht funktioniert

Das ist nun also ubuntu-Classic. Ich muss sicher nicht sagen, dass die Version 10.10 mit dem aufgehübschten Gnome-Desktop um Jahre besser ausgesehen hat, oder?

Netbook, neuer Anlauf

Die Probleme auf dem Rechner mit Unity brachten mich dann auf eine Idee. Wählt man auf dem Netbook aus, dass man als Desktop nicht „Netbook Edition“, sondern „Netbook Edition (2D)“ starten will, dann gibt es plötzlich ein Bild.

Ich verstehe, dass man von einem Betriebssystem nicht erwarten kann, dass es erkennt ob auf einem System eine 3D-Beschleunigung zur Verfügung steht oder nicht. Das herauszufinden ist sicherlich durch Patente oder dergleichen Betriebssystemen wie Windows oder Mac OS vorbehalten.

Damit läuft das Netbook nun zumindest scheinbar wieder. Jetzt muss man nur noch in den Einstellungen irgendwo finden, dass man den Desktop fest auf die 2D-Variante einstellt und dann sollte es so funktionieren wie vorher.

Fazit

Dann fassen wir doch mal einen Tag ubuntu-Updates zusammen:

Es gibt einen Totalausfall, die virtuelle Maschine – wobei das mit der VM überhaupt nichts zu tun hat, sondern tatsächlich am kaputten ubuntu liegt. Des weiteren gibt es ein Netbook, das nur funktioniert, wenn man manuell einstellt, dass man kein 3D hat. Das aber weiss man nur, wenn man auf einem dritten Rechner, dem PC einmal eine Fehlermeldung gesehen hat, dass Unity überhaupt nicht lauffähig ist, wenn der Rechner nicht über moderne 3D-Hardware verfügt (moderne Hardware und Linux – hätte echt nie gedacht, dass ich das man in einem Satz nennen kann).

Wirklich paradox: ubuntu wird in Afrika sehr häufig eingesetzt. In Schulen, in Universitäten und dergleichen. Von Afrika weiss man ja, dass es ein reiches Land ist und dort 3D-Hardware zur absoluten Mindestausstattung gehört. Da sind wir in Europa als Entwicklungsland natürlich nicht so gut dabei.

Vollkommen rätselhaft bleibt, wieso es für die Netbook-Edition eine 2D-Version von Unity gibt, in der deutlich gewichtigeren Desktop-Version jedoch ausschließlich die 3D-Version enthalten ist und man dort dann gezwungen wird auf ein fast unverändertes Gnome zurück zu greifen. Optisch ist das ein Graus. Aber immerhin scheint es zu funktionieren.

Alles zusammen genommen kommt man also auf etwas unter 50% Erfolgsquote für das Upgrade. Wenn das die Zukunft des Desktops sein soll, dann bleibe ich lieber in der Vergangenheit.

Linux auf dem Webserver ist super, irgendwo embedded ist es auch ok, aber auf dem Desktop – oder sagen wir immer dann, wenn es eine GUI geben soll – kann man das System leider komplett vergessen. Ich werde mich schon irgendwie durchwurschteln, aber für einen Endanwender ist das eine komplette Nullnummer. Wer ernsthaft Linux für den Desktop für Leute empfiehlt, die nicht über eingehende Fachkenntnis verfügen, handelt grob fahrlässig, wenn nicht sogar in böser Absicht.

Klar, auch ein Windows kann nach einem Upgrade mal nicht mehr starten, aber dann gab es beim Setup klare Hinweise darauf weil es irgendwelche Fehlermeldungen oder dergleichen gegeben hat. Zur Not hat der Endanwender jemanden, den er anrufen kann und Hilfe bekommt. Bei seiner Linux-Installation guckt er aber ziemlich dumm aus der Wäsche und Leute zu finden, die sich wirklich in allen Details mit dem System auskennen dürfte immer noch eine echte Herausforderung darstellen.

Linux auf dem Desktop? Geh‘ mir weg damit!

Geschrieben auf einem Mac mit echtem Unix (BSD) unten drunter. Es geht also, wenn man als Hersteller nur genug Hirnschmalz, Fachwissen und guten Willen aufwendet.

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