Eine Kerze für iWork.com

Heute Abend, am 31. Juli 2012 passiert es. Der Dienst iWork.com von Apple, den bis zuletzt einen Beta-Hinweis zierte, wird eingestellt.
Für mich bedeutet das einen echten Verlust. Warum?Als ich vor einigen Jahren doch den Schritt von Windows zum Mac gemacht habe, da war mir ganz besonders wichtig, dass ich für meine Workflows möglichst viele Verbesserungen gewinne.

Ein ganz große Gewinn war iWork.com und seine Möglichkeit, Dokumente über das Web anderen Personen zugänglich zu machen. Und zwar exakt so formatiert, wie auf dem lokalen Rechner, ohne eine Möglichkeit, diese Daten herunterladen zu können (es war konfigurierbar) und mit der Möglichkeit ausgestattet, Korrekturen und Anmerkungen in einem über die Plattform freigegeben Dokument zu hinterlassen.

Alle Personen, die auf die Dokumente Zugriff bekommen sollten benötigten nichts weiter als einen Webbrowser (egal welchen) und das Wissen um die Bedienung von Maus und Tastatur. Mehr nicht.

Ein Textdokument mit Anmerkungen in iWork

Sobald Kommentare in einem Dokument hinzugefügt wurden gab es eine E-Mail und ich konnte mich der Sache annehmen.

Leider wurden die Kommentare nicht als Änderungen direkt an Pages übergeben, die man dann hätte genehmigen oder ablehnen können, aber das war noch zu verschmerzen.

Auf diese Weise habe ich Kunden Vorabversionen von Dokumentationen bereitgestellt, habe in Gruppen an einem Dokument arbeiten lassen oder habe ganz einfach Dokumente in einer Nur-Lese-Version bereitgestellt. Die Anzeige und alles übrige übernahm iWork.com – maximaler Erfolg bei minimalem Einsatz.

Aber nicht nur Textdokumente liessen sich online bereitstellen, es war sogar möglich, komplette Präsentationen hochzuladen.

Nachdem mit Keynote nach Jahren der verschiedenen mehr oder weniger ungeeigneten Präsentationsprogramme unter Windows endlich ein leistungsfähiges und vor allen Dingen Spaß bei der Arbeit erzeugendes Programm verfügbar war, kam die iWork.com-Option wie gerufen.

Präsentation in iWork.com

Nach einem Seminar oder einer Schulung konnte ich die gesamte – bisweilen mehrere hundert MB große – Keynote-Präsentation bei iWork.com hochladen und den Link den Teilnehmern zur Verfügung stellen.

Die Präsentation konnte online und direkt im Webbrowsers wiedergegeben werden. Animationen funktionierten ebenfalls zu einem großen Teil (oder wurden durch eine einfachere ersetzt). Ton wurde wiedergegeben – sofern vorhanden. Links in der Präsentation konnten angeklickt werden. Ja, ich habe Links in Präsentationen eingefügt, die auf der Leinwand gar keine Funktion hatten, sondern ausschließlich für die spätere Nutzung über iWork.com eingefügt wurden.

Und die Seminarteilnehmer? Die waren begeistert.

Wann immer mich ein Kunde, ein Kollege oder ein Teilnehmer fragte, wie man denn solche Freigaben erzeugen könnte, lautete meine Antwort immer „wenn man einen Mac mit dem iWork-Paket hat, ist das mit wenigen Klicks erledigt“. Anwender von Windows machten dann lange Gesichter, denn die Möglichkeiten mit einem komplizierten Sharepoint-Server sind wenig überzeugend und auch Dienste wie Google-Docs bei denen die Formatierungen nicht 100% korrekt dargestellt werden taugen eher nicht.

Mit der Abschaltung droht jetzt der Mac-Plattform der Verlust eines großen Vorteils gegenüber Windows. Meine Workflows werden wieder deutlich komplizierter und Präsentationen bekommen die Teilnehmer künftig auch keine mehr. Ja, es gibt iCloud, aber was kann es? Es kann Dokumente speichern und man kann sie an einem anderen Mac (mit dem gleichen iCloud-Konto) wieder herunterladen. Man kann mit mehreren Rechnern an einem Dokument arbeiten, sofern man über eine hinreichend gespaltene Persönlichkeit und ausreichend Arme verfügt. Aber Kollaboration? Nein. Die Anzeige der Dokumente im Web? Nein.

Heute Abend also, wenn iWork.com abgeschaltet wurde, werde ich als Zeichen stiller Trauer eine Kerze anzünden. Ruhe sanft.

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